von Wolfgang Mutter
JOHN MAYNARD
Mit flatternden Wimpeln und rauchendem Schlot
Fährt über den Erie ein stolzes Boot;
Die Lüfte sind sonnig, die Wogen so hell,
Hinschwebt die "Schwalbe" sicher und schnell,
Es lenket das Steuer John Maynard.
Da gellt ein Angstruf: "Das Schiff, es brennt!"
Umsonst zu löschen man drängt und rennt,
Aus den Fugen steigt wirbelnd der Rauch hervor,
Am Hinterdeck züngeln die Flammen empor,
"Wir sind verloren, John Maynard!"
'Noch ist das Vorderdeck sicher und fest,
Dort harrt in Ruhe, der wachsende West,
Er treibt nach rückwärts die lodernde Gluth;
Auch in Flammen noch segelt die Schwalbe gut,
Auch in Flammen steht fest John Maynard.'
"Wie weit, wie weit noch zum rettenden Port?"
'In anderthalb Stunden sind wir dort!
Getrost, Capitän, ich halte Stand!'
Der drückt die heiße, schwielige Hand:
"So stärke dich Gott, John Maynard!"
Auf seinem Posten, von Funken umsprüht,
Vom sengenden Hauch der Flammen umglüht,
Steht fest der Brave, mit kundiger Hand
Hinlenkt das Schiff durch den Wogenbrand
Zum sicheren Hafen John Maynard.
"Gerettet nun sind wir von Tod und Qual,
Du, Getreuer, hab' Dank viel tausend Mal!"
Nicht Antwort kommt wieder, der Rauch verweht,
Am glühenden Steuer ein Toter steht.
So starb für sie alle John Maynard.
Als die Schiffe noch aus Holz waren, waren die Seeleute aus Eisen.